Pressemitteilung zu den Kranzniederlegungen am 26.04.2015

Mit der Befreiung von Brandenburg an der Havel am 25. und 26. April 1945 endete das schrecklichsten Kapitel der Geschichte der Stadt. Heute, am 26. April 2015, 70 Jahre später, werden wir als linksjugend [’solid] Brandenburg an der Havel an den Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die Befreiung teilnehmen.

Wir gedenken an diesem Tag allen Opfern des nationalsozialistischen Regimes, die aufgrund ihrer Abstammung, Religion, Weltanschauung, Sexualität oder auch einfach nur durch Willkür in die faschistische Todesmaschinerie gerieten. Insbesondere den antifaschistischen Widerstandskämpfer_innen, die trotz der oft nahezu aussichtslosen Situation ihr Leben riskierten, gehört unsere tiefe Anerkennung.

Brandenburg an der Havel war im Dritten Reich ein Testort, an dem die Ermordung von Menschen, die nicht in das faschistische, rassistische und sozialdarwinistische Weltbild der Nazis passten, erprobt wurde. Im Alten Zuchthaus mitten in der Stadt, am heutigem Nikolaiplatz, wurden über 9.000 Menschen aufgrund ihrer (angeblichen) geistigen und körperlichen Behinderung ermordet. Dieser sogenannte „Aktion T4″ fielen deutschlandweit über 70.000 Menschen zum Opfer. Diese Menschen wurden unter anderem vergast. Sie bildeten einen „Testlauf“ für die beispiellose Vergasung von Jüd_innen und anderer Menschen die nicht in das nationalsozialistische Weltbild passten. Des Weiteren wurden in der Haftanstalt Brandenburg-Görden circa 2.000 Widerstandskämpfer_innen hingerichtet.
Die Stadt Brandenburg an der Havel zeigte folglich vor über 70 Jahren deutlich, wie brutal, kalt und unsolidarisch Bürger_innen zu ihren Mitmenschen sein können und wozu der Nationalsozialismus führt.

Umso wichtiger war deshalb die Befreiung der Havelstadt, Deutschlands und Europas durch die allierten Truppen. Der 26. April ist daher ein Tag der Freude. Auf der anderen Seite Gedenken wir an diesem Tag den unzähligen Verlusten, insbesondere der Roten Armee. Wer den sowjetischen Gefallenen gedenkt, darf dabei jedoch nicht vergessen, dass auch von diesen Soldat_innen zahlreiche Kriegsverbrechen begangen wurden. Des Weiteren gilt es den sowjetischen „Sozialismus“ besonders unter Stalin zu kritisieren, denn dieser diskriminierte, unterdrückte und ermordete ihm unliebsame Minderheiten massenhaft.

Mit der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Gründung zwei neuer Staaten entstand eine Losung, die noch bis heute oberste Priorität in Deutschland haben sollte: „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“. Deutschland sollte aus seiner Vergangenheit lernen und diese Losung sollte uns fortwährend daran erinnern, für den Frieden zu kämpfen.

70 Jahre später sehen wir leider nur zu oft, wie sehr dies in Vergessenheit geraten ist. Zum einen gab es seit der Wiedervereinigung mehr als 180 neonazistische Morde und zum anderen ist Deutschland einer der größten Rüstungsexporteure der Welt. Rüstungsexporte spülen Jahr für Jahr Millionen von Euro in den Staatshaushalt und das dadurch, dass Menschen überall auf der Welt sich gegenseitig töten. Gleichzeitig dienen die deutschen Waffen zur Aufrechterhaltung von diktatorischen Regimen und zur Unterdrückung von Minderheiten. Immer wieder hören wir mahnende Worte, immer wieder wird auf unsere Demokratie verwiesen und wie stolz wir auf diese sein können, gleichzeitig werden aber undemokratische Staaten wie beispielsweise Saudi-Arabien oder Katar unterstützt. Das ist für uns ein Widerspruch, denn „Nie wieder Krieg“ – bedeutet für uns sich für den Frieden, nicht nur im eigenem Land, einzusetzen.

Am 26. April beziehungsweise am 8. Mai werden wir diese Losung wieder oft zu hören bekommen – oft genug von Mitglieder_innen von (ehemaligen) Regierungsparteien, die mit verantwortlich für das Morden sind. Dies kann nicht im Sinne derer sein, die vor über 70 Jahren ihr Leben riskierten, um gegen den Nationalsozialismus und für die Freiheit zu kämpfen.

Die Lehren der Vergangenheit geraten langsam aus dem Blickfeld und in Vergessenheit. Umso wichtiger ist es, sich intensiv mit der Vergangenheit auseinander zu setzen
und aktiv antifaschistisch und pazifistisch zu handeln. Wer „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“ sagt, der muss auch aktiv dafür eintreten.

Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!
Waffenexporte stoppen!
Neonazis entgegentreten!